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Blog
4. September 2026

Wie unterscheidet sich eine Panikstörung von einer Angststörung?

Zuletzt aktualisiert am 2. Juni 2026

Eine Panikstörung ist eine spezifische Form der Angststörung, kein eigenständiges, davon getrenntes Krankheitsbild. Der entscheidende Unterschied liegt in der Art der Angst: Bei einer Panikstörung treten plötzliche, intensive Angstanfälle ohne erkennbaren äußeren Auslöser auf, während andere Angststörungen häufig an konkrete Situationen, Objekte oder anhaltende Sorgen geknüpft sind. Die folgenden Abschnitte beleuchten, wie sich beide Störungsbilder im Erleben, im Verlauf und in der Behandlung unterscheiden.

Was passiert im Körper während einer Panikattacke?

Während einer Panikattacke versetzt das Nervensystem den Körper in einen akuten Alarmzustand, als stünde eine unmittelbare Gefahr bevor. Dieser Zustand entsteht durch eine plötzliche Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und löst innerhalb von Minuten eine Reihe körperlicher Reaktionen aus, die sich wie eine ernsthafte körperliche Erkrankung anfühlen können.

Typische körperliche Zeichen, die sich bei einer Panikattacke äußern können, sind:

  • Herzrasen oder Herzstolpern
  • Atemnot oder das Gefühl zu ersticken
  • Schwindel und Benommenheit
  • Schwitzen und Zittern
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln
  • Schmerzen oder Beklemmung in der Brust
  • Übelkeit
  • Ein Gefühl von Wirklichkeitsverlust oder Entfremdung von sich selbst

Diese Reaktionen sind an sich nicht gefährlich, auch wenn sie sich bedrohlich anfühlen. Der Körper reagiert auf ein wahrgenommenes Signal, das im Alltag keine reale Bedrohung darstellt. Besonders belastend ist die häufig auftretende sogenannte Angst vor der Angst: Die Betroffenen fürchten die nächste Panikattacke so sehr, dass allein diese Erwartung neue Angstreaktionen auslösen kann. In der Fachsprache wird dieses Muster als antizipatorische Angst bezeichnet und ist ein zentrales Merkmal der Panikstörung.

Welche Symptome sind typisch für eine Angststörung?

Angststörungen umfassen eine breite Gruppe von Störungsbildern, die sich in ihren Symptomen überschneiden, aber auch deutlich unterscheiden können. Gemeinsam ist ihnen eine Angst, die in ihrer Intensität oder Häufigkeit über das hinausgeht, was die jeweilige Situation rechtfertigt, und die den Alltag spürbar beeinträchtigt.

Zu den häufigen Symptomen von Angststörungen gehören:

  • Anhaltende, schwer kontrollierbare Sorgen (typisch für die generalisierte Angststörung)
  • Starke Furcht vor sozialen Situationen und Bewertung durch andere (Sozialphobie)
  • Vermeidungsverhalten gegenüber bestimmten Situationen, Orten oder Objekten
  • Innerliche Unruhe, Anspannung und Reizbarkeit
  • Schlafprobleme durch kreisende Gedanken
  • Körperliche Beschwerden wie Muskelverspannungen, Kopfschmerzen oder Magenprobleme
  • Zwangsgedanken, die sich aufdrängen und nicht loslassen (im Kontext der Zwangsstörung, die eng mit Angststörungen verwandt ist)

Im Klassifikationssystem ICD-10 werden Angststörungen unter den Kapiteln F40 und F41 erfasst. Die Panikstörung trägt den Code F41.0, die generalisierte Angststörung F41.1, Phobien wie die Sozialphobie oder Agoraphobie werden unter F40 eingeordnet. Diese Einordnung hilft Fachleuten, das Störungsbild präzise zu beschreiben, ersetzt aber keine individuelle Diagnose durch eine qualifizierte Fachperson.

Wie unterscheiden sich Auslöser und Verlauf beider Störungen?

Der wichtigste Unterschied zwischen einer Panikstörung und anderen Angststörungen liegt im Auslöser: Panikattacken im Rahmen einer Panikstörung treten häufig ohne erkennbaren äußeren Grund auf, während Angstreaktionen bei anderen Störungen meist an konkrete Auslöser gebunden sind.

Bei der Panikstörung (ICD-10: F41.0) gilt:

  • Panikattacken entstehen scheinbar aus dem Nichts, oft ohne Vorwarnung
  • Die Intensität erreicht ihren Höhepunkt meist innerhalb von wenigen Minuten
  • Im Verlauf entwickelt sich häufig die Angst vor der nächsten Attacke
  • Betroffene beginnen, Situationen zu meiden, die sie mit früheren Attacken verbinden

Bei anderen Angststörungen zeigt sich ein anderes Muster:

  • Die Angst ist an spezifische Auslöser geknüpft, etwa soziale Situationen bei der Sozialphobie oder bestimmte Objekte bei spezifischen Phobien
  • Die Angst vor Krankheiten oder Verlustangst kann dauerhaft im Hintergrund präsent sein
  • Vermeidungsverhalten entwickelt sich schrittweise und kann den Lebensraum der Betroffenen erheblich einschränken
  • Innerliche Unruhe und anhaltende Anspannung sind häufig konstant vorhanden, nicht episodisch

Kann eine Panikstörung in eine Angststörung übergehen?

Eine Panikstörung kann sich im Verlauf ausweiten und andere Angststörungen entwickeln oder verstärken. Besonders häufig entsteht aus einer Panikstörung eine Agoraphobie, also die Angst vor Situationen, aus denen eine Flucht schwierig erscheint oder in denen im Notfall keine Hilfe verfügbar wäre.

Dieser Übergang geschieht durch das Vermeidungsverhalten: Wer bestimmte Orte oder Situationen meidet, weil dort früher Panikattacken aufgetreten sind, bestätigt dem Gehirn unbewusst, dass diese Situationen tatsächlich gefährlich sind. Der Vermeidungskreis weitet sich aus. Im ICD-10 wird die Kombination aus Panikstörung und Agoraphobie daher als eigenständiges Bild erfasst (F40.01).

Gleichzeitig können Angst vor der Arbeit, Verlustangst oder Angst vor Krankheiten, die ursprünglich situationsgebunden waren, durch wiederholte Panikattacken intensiver werden. Fachleute sprechen in solchen Fällen von komorbiden Störungen, also dem gleichzeitigen Vorliegen mehrerer Störungsbilder.

Wann sollte man bei Panik- oder Angstattacken Hilfe suchen?

Professionelle Hilfe ist dann angezeigt, wenn Panik- oder Angstreaktionen den Alltag erheblich beeinträchtigen, regelmäßig auftreten oder dazu führen, dass Situationen zunehmend gemieden werden. Ein wichtiger Anhaltspunkt ist, ob die Intensität der Angst im Verhältnis zur tatsächlichen Situation unangemessen erscheint.

Ein möglicher erster Schritt kann sein, mit einer Hausärztin oder einem Hausarzt zu sprechen. Diese können eine erste Einschätzung geben, körperliche Ursachen ausschließen und bei Bedarf an Fachleute überweisen. Auch ein Selbsttest zu Angst kann helfen, das eigene Erleben besser einzuordnen, ersetzt aber keine ärztliche oder psychotherapeutische Beurteilung.

Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, starke Hoffnungslosigkeit erleben oder Gedanken haben, sich selbst zu schaden, wenden Sie sich bitte sofort an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117), den Notruf (112) oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar).

Wie werden Panikstörung und Angststörung behandelt?

Sowohl die Panikstörung als auch andere Angststörungen lassen sich gut behandeln. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gilt als besonders gut untersuchte psychotherapeutische Methode bei Angststörungen. Sie zielt darauf ab, angstauslösende Gedankenmuster zu erkennen, zu hinterfragen und schrittweise neue Verhaltensweisen zu erproben.

Psychotherapeutische Ansätze

In der kognitiven Verhaltenstherapie lernen Betroffene, die körperlichen Signale einer Panikattacke neu zu bewerten und die Angst vor der Angst zu reduzieren. Expositionsübungen, bei denen gefürchtete Situationen schrittweise aufgesucht werden, sind ein zentrales Element. Auch Achtsamkeitstraining und Techniken aus der systemischen Therapie können ergänzend eingesetzt werden.

Weitere Unterstützungsmöglichkeiten

Neben einer Psychotherapie können in manchen Fällen Medikamente, insbesondere bestimmte Antidepressiva, von Ärztinnen und Ärzten eingesetzt werden. Regelmäßige körperliche Bewegung, Entspannungsverfahren und das Erlernen von Atemtechniken können unterstützend wirken. Wichtig ist, dass Behandlungsansätze immer individuell abgestimmt werden und Veränderungsprozesse Zeit sowie aktive Mitarbeit erfordern.

So kann Novego bei Angst und Panik unterstützen

Wir bei Novego bieten ein strukturiertes Online-Therapieprogramm speziell für Menschen mit Ängsten, Panik und Phobien an. Das Programm ist im DiGA-Verzeichnis des BfArM gelistet und kann für gesetzlich Versicherte kostenfrei auf Rezept genutzt werden.

Das Programm richtet sich an Erwachsene ab 17 Jahren und kann in verschiedenen Phasen sinnvoll eingesetzt werden:

  • Als Überbrückung während der Wartezeit auf einen Therapieplatz
  • Begleitend zu einer laufenden psychotherapeutischen oder ärztlichen Behandlung
  • Zur Stabilisierung nach einer abgeschlossenen Therapie

Die Inhalte basieren auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und umfassen sechs wöchentliche Module mit je etwa 45 bis 60 Minuten Bearbeitungszeit. Das Programm ist auf verschiedene Angstdiagnosen ausgerichtet, darunter Panikstörungen, Sozialphobie und Agoraphobie, und lässt sich flexibel von zu Hause aus nutzen. Die Wirksamkeit wurde in Studien untersucht, wobei individuelle Ergebnisse variieren können.

Mehr Informationen zu unserem Programm bei Ängsten finden Sie auf unserer Website. Wenn Sie sich unsicher sind, ob das Programm zu Ihrer Situation passt, können Sie zunächst einen Selbsttest zu Angst machen und sich dann von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten lassen.


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Dies ist eine unabhängige Patienteninformation mit dem Ziel, Ihnen bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, die auch ohne medizinisches Fachwissen verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt oder Psychotherapeut konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.