Was tun, wenn man ständig Angst vor Krankheiten hat?
Wer ständig Angst vor Krankheiten hat, leidet möglicherweise unter einer sogenannten Krankheitsangst, auch Hypochondrie oder Gesundheitsangst genannt. Diese geht weit über normale Sorgen um die eigene Gesundheit hinaus und kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Die gute Nachricht: Es gibt wirksame Wege, mit dieser Angst umzugehen. Die folgenden Fragen und Antworten geben Ihnen einen Überblick über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.
Wann wird Sorge um die Gesundheit zur Angststörung?
Sorge um die eigene Gesundheit wird dann zur Angststörung, wenn sie unverhältnismäßig stark ist, sich trotz ärztlicher Entwarnung nicht beruhigt und den Alltag dauerhaft einschränkt. Entscheidend ist nicht, ob die Sorge verständlich erscheint, sondern ob sie sich verselbstständigt und das Leben bestimmt.
Gelegentliche Gedanken wie „Könnte das etwas Ernstes sein?“ sind völlig menschlich. Wenn diese Gedanken aber immer wiederkehren, sich kaum unterbrechen lassen und selbst nach einem negativen Befund nicht nachlassen, kann das ein Hinweis auf eine Angststörung sein. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von Krankheitsangst oder Gesundheitsangst, wenn die Beschäftigung mit möglichen Erkrankungen mehr als sechs Monate anhält und mit deutlichem Leidensdruck verbunden ist.
Typische Merkmale, die auf eine Angststörung hindeuten können:
- Wiederholtes Überprüfen des eigenen Körpers auf Anzeichen von Krankheit
- Häufige Arztbesuche ohne medizinischen Befund oder umgekehrt starke Vermeidung von Arztterminen aus Angst vor schlechten Nachrichten
- Intensives Recherchieren von Krankheitssymptomen im Internet
- Anhaltende Überzeugung, ernsthaft krank zu sein, obwohl Ärztinnen und Ärzte nichts feststellen
- Starke Beeinträchtigung im Beruf, in Beziehungen oder im sozialen Leben
Wenn Sie sich in diesen Beschreibungen wiederfinden, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hinweis darauf, dass professionelle Unterstützung hilfreich sein kann.
Welche körperlichen Symptome löst Krankheitsangst aus?
Krankheitsangst kann eine Reihe körperlicher Symptome auslösen, die die Angst selbst weiter verstärken. Dazu gehören Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Schwitzen, Übelkeit sowie ein Druck- oder Beklemmungsgefühl in der Brust. Diese Empfindungen entstehen durch die körperliche Stressreaktion, die Angst im Nervensystem auslöst.
Das Tückische dabei: Die körperlichen Symptome der Angst fühlen sich oft wie die gefürchteten Krankheitssymptome selbst an. Wer Herzrasen verspürt, denkt vielleicht sofort an eine Herzerkrankung, obwohl das Herzrasen durch die Angst selbst verursacht wird. So entsteht ein Kreislauf, in dem Angst körperliche Reaktionen auslöst, diese Reaktionen neue Angst erzeugen und die Überzeugung, krank zu sein, sich festigt.
Weitere körperliche Begleiterscheinungen können sein:
- Muskelverspannungen und Kopfschmerzen
- Schlafprobleme und Erschöpfung
- Magen-Darm-Beschwerden
- Ein Gefühl von Unwirklichkeit oder Benommenheit
Wichtig ist: Diese Symptome sind real und belastend, auch wenn keine körperliche Erkrankung dahintersteckt. Sie verdienen es, ernst genommen zu werden.
Was sind die häufigsten Auslöser von Krankheitsangst?
Krankheitsangst entsteht selten aus dem Nichts. Häufige Auslöser sind belastende Lebensereignisse, eigene oder beobachtete Krankheitserfahrungen, ein erhöhtes Grundniveau an Stress oder Angst sowie eine intensive Beschäftigung mit Gesundheitsthemen, zum Beispiel durch häufige Internetrecherchen zu Symptomen.
Zu den bekannten Auslösern und begünstigenden Faktoren zählen:
- Eigene Krankheitserfahrungen: Wer selbst oder in der Familie eine ernste Erkrankung erlebt hat, entwickelt manchmal eine erhöhte Wachsamkeit gegenüber körperlichen Signalen.
- Medienkonsum: Intensive Berichterstattung über Krankheiten oder häufiges Lesen von Symptombeschreibungen im Internet kann Ängste verstärken.
- Allgemeiner Stress und Überforderung: In belastenden Lebensphasen richtet sich Angst häufig auf greifbare Themen wie Gesundheit.
- Persönlichkeitsfaktoren: Menschen, die generell zu Sorgen und Grübeln neigen, sind etwas häufiger betroffen.
- Frühere Angsterfahrungen: Wer bereits andere Angststörungen kennt, kann auch leichter Krankheitsangst entwickeln.
Das Wissen um mögliche Auslöser hilft, die eigene Angst besser einzuordnen und erste Schritte in Richtung Veränderung zu gehen.
Wie unterscheidet sich Krankheitsangst von anderen Angststörungen?
Krankheitsangst unterscheidet sich von anderen Angststörungen vor allem durch ihren spezifischen Fokus: Die Angst richtet sich gezielt auf die eigene Gesundheit und mögliche Erkrankungen. Bei einer generalisierten Angststörung hingegen kreisen die Sorgen um viele verschiedene Lebensbereiche, bei einer Panikstörung stehen plötzliche, intensive Angstanfälle im Vordergrund.
Dennoch gibt es Überschneidungen. Körperliche Symptome wie Herzrasen oder Schwindel treten bei mehreren Angststörungen auf. Auch Vermeidungsverhalten, also das Meiden von Situationen oder Informationen aus Angst, kommt sowohl bei Krankheitsangst als auch bei anderen Angststörungen vor. Manchmal bestehen mehrere Angststörungen gleichzeitig.
Ein weiterer Unterschied liegt im Verhalten: Menschen mit Krankheitsangst suchen häufig Bestätigung, zum Beispiel durch wiederholte Arztbesuche oder Gespräche mit Angehörigen, oder sie vermeiden Ärztinnen und Ärzte aus Angst vor einer Diagnose. Beides ist bei anderen Angststörungen weniger typisch. Eine genaue Einordnung sollte immer durch eine Fachperson erfolgen, da sie die Grundlage für eine passende Unterstützung bildet.
Welche Behandlungsmöglichkeiten helfen bei Krankheitsangst?
Bei Krankheitsangst hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als gut untersuchte Behandlungsmethode etabliert. Sie hilft dabei, angstauslösende Gedankenmuster zu erkennen und schrittweise zu verändern. Ergänzend können Entspannungsverfahren und Achtsamkeitsübungen unterstützend wirken.
Im Mittelpunkt der kognitiven Verhaltenstherapie steht die Frage: Welche Gedanken lösen die Angst aus, und wie realistisch sind sie? Gemeinsam mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten werden diese Gedanken untersucht und neue Bewertungsmuster entwickelt. Dazu kommen gezielte Übungen, um das Vermeidungsverhalten schrittweise zu reduzieren.
Weitere Behandlungsansätze, die in Betracht gezogen werden können:
- Psychoedukation: Informationen über die Entstehung von Angst und körperliche Stressreaktionen helfen, Symptome besser einzuordnen.
- Achtsamkeitstraining: Techniken, die helfen, Gedanken wahrzunehmen, ohne ihnen sofort zu folgen.
- Digitale Unterstützungsangebote: Online-Programme bei Angst können eine sinnvolle Ergänzung zu einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung sein, zum Beispiel in Wartezeiten auf einen Therapieplatz.
- Ärztliche Abklärung: Um den Kreislauf aus körperlichen Symptomen und Angst zu durchbrechen, kann eine ärztliche Untersuchung hilfreich sein, sofern diese nicht selbst zur Quelle der Angst wird.
Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden oder starke Belastungen erleben, wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine psychotherapeutische Fachkraft. In dringenden Situationen ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 (kostenlos, 24 Stunden) erreichbar.
Was kann man selbst tun, wenn die Angst vor Krankheiten belastet?
Wenn die Angst vor Krankheiten belastet, können einige Strategien helfen, den Kreislauf aus Sorge und körperlichen Symptomen zu unterbrechen. Dazu gehören das bewusste Begrenzen von Symptomrecherchen im Internet, Entspannungsübungen und das Gespräch mit vertrauenswürdigen Menschen. Diese Maßnahmen ersetzen keine professionelle Unterstützung, können aber ein hilfreicher erster Schritt sein.
Ein möglicher erster Schritt ist, die eigene Internetrecherche zu begrenzen. Symptome nachzuschlagen verstärkt die Angst in den meisten Fällen, weil das Internet immer auch bedrohliche Erklärungen bereithält. Es kann helfen, sich feste Zeiten zu setzen, in denen man nicht nach Krankheiten sucht.
Weitere Ansätze, die unterstützend wirken können:
- Atemübungen und Entspannung: Tiefes, bewusstes Atmen kann das Nervensystem beruhigen und körperliche Angstsymptome lindern.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann dazu beitragen, Stress abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu stärken.
- Gedanken beobachten statt folgen: Achtsamkeitsübungen helfen dabei, Sorgengedanken wahrzunehmen, ohne sie als Fakten zu behandeln.
- Offen darüber sprechen: Das Gespräch mit Angehörigen oder Freunden kann entlasten, solange es nicht zu einem ständigen Bestätigungssuchen wird.
- Selbsttest als Orientierung: Ein Selbsttest bei Angst kann helfen, die eigene Belastung besser einzuschätzen und zu entscheiden, ob weitere Unterstützung sinnvoll wäre.
Veränderungsprozesse brauchen Zeit und aktive Mitarbeit. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich Unterstützung zu suchen, sondern ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Wohlbefinden.
Wie Novego bei Angst vor Krankheiten unterstützen kann
Unser Online-Therapieprogramm bei Angst richtet sich an Menschen, die unter verschiedenen Formen von Angst leiden, darunter auch Krankheitsangst als Teil eines breiteren Angstspektrums. Das Programm basiert auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und zielt darauf ab, wirksame Strategien im Umgang mit Angst zu vermitteln.
Was das Programm bietet:
- 6 wöchentliche Module mit etwa 45 bis 60 Minuten Bearbeitungszeit pro Woche, flexibel von zu Hause nutzbar
- 365 Tage Zugriff auf alle Programminhalte
- Individuell angepasste Inhalte für verschiedene Angstdiagnosen, darunter Panikstörungen, soziale Phobie und Agoraphobie
- Strategien der kognitiven Verhaltenstherapie mit Anteilen aus Achtsamkeitstraining und systemischer Therapie
- Im DiGA-Verzeichnis des BfArM gelistet und damit als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) anerkannt
- Kostenfrei auf Rezept für gesetzlich Versicherte erhältlich
Das Programm eignet sich als Ergänzung zu einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung, als Unterstützung in Wartezeiten auf einen Therapieplatz oder zur Stabilisierung. Die Ergebnisse können individuell unterschiedlich ausfallen, und Veränderungen erfordern aktive Mitarbeit. Wenn Sie herausfinden möchten, ob das Programm für Sie passend sein könnte, können Sie sich hier über die kostenfreie Nutzung auf Rezept informieren.
Diesen Artikel teilen:
Kostenfreie psychologische Soforthilfe auf Rezept
Unsere psychologischen Online-Therapieprogramme bei Depression und Angst sind als Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) zertifiziert und somit kostenfrei auf Rezept für Sie erhältlich. Lassen Sie sich Novego von Ihrem Arzt oder Psychotherapeuten verordnen und starten Sie ohne Wartezeit und ohne Kosten mit Ihrer Online-Therapie.
Dies ist eine unabhängige Patienteninformation mit dem Ziel, Ihnen bedarfsorientierte und qualitativ hochwertige Inhalte zu präsentieren, die auch ohne medizinisches Fachwissen verständlich sind. Es wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. In allen Belangen kann und sollte der behandelnde Arzt oder Psychotherapeut konsultiert werden. Diese Patienteninformation kann keine ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapie ersetzen.